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Dienstag, 10. Februar 2009

Straßenkinder? Nicht nur in Bogota!

Meine Eltern waren nie gewalttätig, keine Alkoholiker, kein Drama - solide Mittelschicht. Mir war es zu eng. Eine lange Geschichte. Mit elf Jahren bin ich dann von zu Hause weggelaufen. Ich wusste nicht wohin, wollte irgendwo neu anfangen, schließlich könnte ich ja alleine viel besser klar kommen. Hatte sogar mein Mathematik und Latein-Buch mitgenommen. Es war ja nicht so, dass ich nicht mehr lernen wollte. Ich wollte frei sein. Frei könnte ich bessere Entscheidungen für mich treffen. Als erstes sollten die Zöpfe ab, und dann sehen wir weiter...So die Idee einer Elfjährigen.

Im Gegensatz zu anderen Kindern, die von zu Hause weglaufen, hatte ich jedoch eine Tasche voller Geld dabei. Ich sah älter aus und konnte in Hotels übernachten, und falls mal einer am Empfang nachfragte , so erzählte ich, die Eltern kämen morgen nach. Mein Vater kam tatsächlich gute zwei Wochen später nach. Er träumte, wo er mich finden würde und fuhr nachts sofort quer durch Deutschland, um mich wieder nach Hause zu holen. Auch wenn ich mir nicht, wie die meisten anderen Kinder, übers Essen oder die Übernachtung Sorgen machen musste, so wäre ich froh gewesen, einen Ansprechpartner zu haben, der nicht sofort die Polizei informiert und mich zurückgebracht hätte, jemand der zuhört, versteht und vermittelt.

Durch "meinen" Pater, mit dem ich wöchentlich Gespräche führe, wurde ich auf das Projekt "upstairs - Schutz für Straßenkinder" aufmerksam. Das Thema hat mich sofort angesprochen. Ich muss zugeben, dass ich sehr überrascht war, dass es in unserer Stadt so viele Kinder gibt, die aus den verschiedensten Gründen von zu Hause weglaufen. Die Anlaufstelle von upstairs wird jeden Tag von zwei bis sechs Kindern aufgesucht. Sie finden dort ein offenes Ohr, Essen, Übernachtung - einen Ruhepol und Schutz. Besonders positiv aufgefallen ist mir, dass das Projekt "Schutz für Straßenkinder" heißt und nicht "Hilfe für..." - denn noch vor all der aktiven Hilfe, die sicher auch gewährleitstet wird, brauchen diese Kinder einen sicheren Platz zum Aufatmen.

Endlich ein Projekt, welches ich mit bestem Gewissen unterstützen kann. Rund 75.000 Euro werden pro Jahr benötigt um es am laufen zu halten. Und schon für knapp 50 Euro kann einem Kind eine Woche bei upstairs gesichert werden.

Meinen kleinen Dawanda-Shop habe ich jetzt auch umgestellt, der Verkaufserlös, abzüglich der Dawanda-Gebühr und der Versandkosten werden dem Projekt zu Gute kommen. Das motiviert mich in Zukunft mehr Sachen dort reinzustellen und zu verkaufen.

Samstag, 17. Januar 2009

Stephanie Nielson bloggt wieder!

„Was für ein langweiliger Titel“, werden manche denken: „Stephanie Nielson - kenne ich nicht, und dass sie wieder bloggt - wie schön, wie Millionen anderer ja auch.“ Aber in dieser Schlagzeile steckt eines der großen Wunder, das zeigt, dass das Internet Menschen näher rücken lässt und Gebete nicht vergebens sind.

Am 16. August 2008 fliegen Stephanie und ihr Mann Christian mit dem Freund und Fluglehrer Doug Kinneard von einem Wochenendtrip in New Mexico zurück nach Hause, Mesa, Arizona. Ausnahmsweise hat das junge Paar diesmal ihre vier Kinder nicht mitgenommen. Es ist ein Routineflug, doch nach einem Zwischenstopp zum Auftanken, streikt in der Abflugphase der Motor. Um 15:45 Uhr stürzt die Cessna 177 ab und geht in Flammen auf. Doug Kinneard ist an Ort und Stelle tot, Stephanie und Christian können zwar lebend aber mit schwersten Verletzungen geborgen werden. Stephanies Brandverletzungen betrugen 83 % ihres Körpers, Christians 35 %. Ihre Situation war sehr kritisch, bei derart großen Verbrennungen sind die Überlebenschancen gering.

Diese Nachricht veränderte nicht nur das Leben der Familie Nielson, sondern sorgte für Trauer auf allen Kontinenten. Stephanie Nielson führte seit drei Jahren ein beliebtes Blog über ihr Leben, der täglich 2000 Leser aus der ganzen Welt erreichte, die NieNie Dialogues. Ursprünglich wollte Stephanie damit vor allem ihre große Familie - sie hat acht Geschwister, über ihr Leben auf dem Laufenden halten.
Im Blog schrieb Stephanie über ihren Alltag mit vier Kindern unter sechs Jahren, über ihre Ehe, die Familie, übers Kochen und Dekorieren, immer illustriert mit charmanten Schnappschüssen – für ihre treuen Leser war sie die inspirierende Supermami einer Bilderbuchfamilie. Mit ihrer fröhlichen Art setzte sie sich von den anderen Blogs ab. Sie sah ihr Leben als Mutter als Erfüllung an, nicht als Last. „Viele verstehen es nicht, aber auch Stephanies Leben war nicht perfekt“, erzählt ihre Schwester Courtney Jane Kendrick, „aber sie hat sich entschieden in allem die Schönheit und das Gute zu sehen.“
The Nielson Family - Copyright bluelily.squarespace.com  Wendy Whitacre
Nach dem Unfall strömte eine Flut an Mitgefühl und Anfragen in das Mail-Fach von Stephanies Blog. Darauf hin übernahm Courtney die NieNie Dialogues. Sie informierte über den Gesundheitszustand der Nielsons und über das Leben der Kinder, von denen drei seit dem Unfall bei ihr wohnen und das Jüngste bei Lucy, einer weiteren Schwester von Stephanie. Sie bat um Gebete für bevorstehende Operationen und für das Wohl der Kinder. Bis zu 20.000 Leser erreichte nun der Blog. Alle nahmen Anteil an Stephanies Schicksal, alle wollten helfen. Es gab für sie keinen Unterschied mehr zwischen echten Freunden und einer bisher virtuellen Online-Freundschaft. Stephanies Freunde wollten ihr endlich all die Liebe, mit der sie sie in ihrem Blog an ihrem Leben teilhaben ließ, zurückgeben.

Und Hilfe wurde benötigt. In nur drei Wochen erreichten die Krankenhausrechnungen bereits 2 Millionen Dollar - kein Ende in Sicht. Die Versicherung der Familie zahlte nur die erste Million. Eine kleine Online-Auktion, die zu Gunsten der Nielsons abgehalten wurde, veranstaltet von einem NieNie Dialogues–Fan, fand über 300 Nachahmer. Die Familie glaubte am Anfang, dass vielleicht insgesamt 1000 Dollar mit Auktionen zusammen kommen könnten, doch bis heute sind es bereits über 250.000 Dollar. Zusätzlich zu den Geldzuwendungen wurden viele Sachspenden geleistet, vor allem für die Kinder. „Wir wussten, dass Stephanies Blog von vielen gelesen wird, und dass er vielen sehr gut gefällt“, sagt Christopher Clark, Stephanies Bruder, „ aber diese Menge an Menschen, die auf uns zukamen, mit Unterstützung, Liebe und Hilfe - das überwältigt uns jeden Tag aufs Neue. Es ist unglaublich eine solche Reaktion von Menschen zu bekommen, die wir noch nicht mal persönlich kannten!“ Immer wieder bat die Familie um Gebete und ist heute überzeugt, dass auch dank der göttlichen Hilfe die gesamte Familie und die Kinder diese Tragödie überstehen konnten.

Seit gestern, den 16. Januar 2009, fünf Monate nach dem Unfall, schreibt Stephanie Nielson wieder ihren Blog. Seit einem Monat ist sie wieder zu Hause und jedes Mal, wenn sie an all die Unterstützung, die ihre Familie in dieser schweren zeit erfahren hat, denkt, kommen ihr die Tränen. „Wie kann ich es euch allen nur danken?“, schreibt sie in ihrem ersten Beitrag. „Es ist wahr. Ich lebe. Ich sehe anders aus. I gehe langsam und tippe langsamer. Aber es ist gut, zurück zu sein. Am Ende des Tages nimmt mich Mr.Nielson an die Hand und führt mich zu Bett. Wie ich sagte, gar nicht anders als früher.“


Copyright des Nielson Family Fotos:
http://bluelily.squarespace.com Wendy Whitacre